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Aufruf gegen Gott!

Auf gegen Gott! Verbrennt den Himmel!
Zerstört die Sklaverei im Kern!
Erwürgt das törichte Gewimmel!
Entfernt den Gott von diesem Stern!

Entreißt den Engeln Ihre Flügel,
Auf das sie kriechen! Hier im Staub!
Ab heute halten wir die Zügel.
Für ihre Klagen sind wir taub.

Für uns bist du jetzt schwache Beute.
Wir waren für dich nur ein Spiel!
Am Anfang waren wir zwei Leute
Nun sind wir für dich viel zu viel.

Wir können dich nicht mehr ertragen.
Du hast uns viel zu oft verletzt.
Du hast, mal so, ohne zu fragen,
Uns einfach in die Welt gesetzt!

Warum hast du uns nur betrogen?
Du sagtest: Liebe ist primär…
Doch deine Liebe war gelogen.
Du liebtest uns nur sekundär!

Was wir mit Jubel dir erbauten.
Da steht bald nicht mal mehr ein Stein
Doch das Gewissen bleibt uns rein,
Weil wir dir einst umsonst vertrauten.

Wir könnten für dich Ketten löten,
Doch Einsamkeit soll dich zerfressen,
Denn bald wirst du von uns vergessen.
Dies wird den alten Vater töten.

Todesstunde

Daß er ganz leise in ihr Zimmer trat,
als alle anderen schon schliefen,
erkannte sie nur an der Art
des blassen Mondscheins, der für diesen

kurzen Moment wie aschgrau hingestreut
aus einem laubewegten Vorgang fiel,
um sich im nächsten Augenblick erneut
zu wandeln in ein bloßes Vorgefühl
aus schwachem Licht, weit vor die Welt gestellt.

So trat er vor sie: schwarz und still - der eine,
dem jedes Menschen letztes Schauen gilt,
wenn er, mit sich in weiter Nacht alleine,
ihn als ein dunkles Lauschen kommen fühlt.

Wie hatte sie sich früher oft und bang
in diese letzte Stunde eingedacht;
sah einen alten, tiefgebeugten Mann,
der, was ihr Leben war, aus welken Händen sacht
in leeres Dunkel hob und leise weiterzog.

Doch wie erstaunt war sie, sich nun gelöst zu sehn
von jedem Müdesein, von blanker Traurigkeit;
alles war Meer in ihr, leichthin bewegt im Wehn,
und endlich öffnete sich über allem, weit,
ein warmer Morgen, der noch tief im Nebel lag.

Und mit dem sanften Tasten ihrer weichen,
im blauen Aderwerk verfangenen,
schneeweißen Hand auf seinen bleichen
suchenden Fingern, den verlangenden,
sah sie noch einmal hin zu seinem Augenpaar:

Sein müder Blick verklärte sich,
er hatte ihr zu geben,
und nahm doch nur, und vorsichtig,
in seinen Arm ihr Leben.

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